Respekt!

Lesezeit: 2 Min., von Titus Gast gepostet am Thu, 6.10.2011
Tags: apple, facebook, ipad, iphone, journalismus, mac, medien, mobil, social media

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle was über den Niedergang Apples die Normalisierung Apples schreiben. Denn ich habe mich vorletzte Nacht mit den neuesten Produkten dieses Unternehmens beschäftigt und fand sehr bemerkenswert, was ich sah und vor allem nicht sah. Doch dann kam alles anders.

Was ich zum iPhone 4S und dessen Vorstellung zu sagen habe, habe ich an anderer Stelle bereits aufgeschrieben. Ich habe lange überlegt, ob es mir im Nachhinein angesichts des Todes von Steve Jobs vielleicht ein bisschen leid tun müsste, dass ich mich nur Stunden zuvor noch hämisch über die mangelnde Innovationskraft von Apple hergemacht habe. Vermutlich war meine These, dass man in Cupertino in den letzten Monaten sehr mit sich selbst beschäftigt war, näher an der Wahrheit als ich ahnte. Doch das ist nun alles irgendwie relativ.

Nachdem ich heute Morgen mit der Nachricht von Steve Jobs’ Tod geweckt wurde und mich das Thema tagsüber berufsbedingt ein wenig begleitete, fällt es mir schwer, meine Stimmungslage dazu in Worte zu fassen: Erst ein wenig traurig – nicht ernsthaft betrübt, mehr so wie ein sanfter Seufzer – inzwischen überwiegt aber ein deutliches Unbehagen. Und zwar darüber, wie sich das Thema in meiner persönlichen Timeline entwickelte. Natürlich ist es anstrengend und fürchterlich unangemessen, wenn jeder zweite Post irgendwas mit dem Ableben eines Unternehmers zu tun hat. Und die ganzen Jubelarien sind meistens ebenso unangemessen, weil scheinheilig.

Noch unangemessener ist aber, was ich außerdem in Artikeln, Kommentaren und Statusmeldungen las und lese: Nach einem kurzen Moment der Zurückhaltung sind sie alle wieder da, die unvermeidlichen iIrgendwas-Kalauer, die idiotischen Irgendwelche-anderen-Systeme-vs-Apple-Diskussionen, die ganzen uninformierten Plattitüden von Menschen, die weder diesen Mann kannten, noch seine Produkte (oder nur diejenigen, die in den letzten zwei, drei Jahren für so viel Hype sorgten), ganz zu schweigen von der beachtlichen Geschichte seines Unternehmens und dessen Innovationen.

Man kann viel an Apple kritisieren. Da mache ich ja gerne mit (und tippe das gerne auf einem MacBook). Es gab sicher auch viel an Steve Jobs auszusetzen. Aber: Man muss auch wissen, wann es besser ist, einfach mal die Klappe zu halten – zum Beispiel aus so einem altmodischen Grund wie Respekt.

Dieser Tag war nicht der erste, an dem mir so ernste Dinge wie Krankheit und Tod auf Facebook und vergleichbaren Kommunikationsorten begegnet sind. Dabei ist mir wieder einmal aufgefallen: Es gibt dort keinen Ernsthaftigkeitsmodus. Es gibt nur diesen Gefällt-mir-Modus, in dem jeder versucht, lustig, geistreich oder beides zu sein. Meistens ist das Ergebnis das Gegenteil von angemessen und respektvoll. Und ich glaube einfach nicht, dass das so sein müsste.


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