Wie du GEZ-Diskussionen erkennst, die nichts bringen

Lesezeit: 5 Min., von Titus Gast gepostet am Mon, 1.1.0001
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1. Wer „GEZ“ schreibt oder von der „GEZ“ redet, will keine Diskussion

Die Vokabel „GEZ“ deutet darauf hin, dass jemand den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einfach abschaffen möchte oder die letzten 15 Jahre in einem Erdloch verbracht hat. Denn: Die GEZ gibt’s nicht mehr. Dass die Nachfolgeeinrichtung „Beitragsservice“ heißt, ist mehr als eine Namensänderung. Mit der GEZ wurde nämlich die gerätebezogene Gebühr abgeschafft und somit brauchte es auch niemanden mehr, der an der Haustür klingelt und guckt, ob da ein Fernseher läuft. Der sogenannte „Beauftragtendienst“ und die Methoden der Datenerhebung waren sicherlich keine geliebten Einrichtungen; dass es das mit dem Umstieg auf ARD-ZDF-Deutschlandradio-Beitragsservice und Haushaltsabgabe nicht mehr gibt, ist eine echte Errungenschaft. Stefan Niggemeier schreibt auf Übermedien dazu:

„Es ist nicht spitzfindig, darauf hinzuweisen, dass die entsprechende Einrichtung inzwischen „Beitragsservice“ heißt, denn dahinter verbirgt sich nicht nur die Umlackierung einer ungeliebten Behörde. Durch die Umstellung der Rundfunkfinanzierung ist eine wesentliche Ursache dafür entfallen, dass die GEZ so verhasst war: das Ausschnüffeln von Wohnungen, um herauszufinden, ob jemand ein Empfangsgerät hat.“

Bedeutet: Wer weiterhin von der GEZ spricht oder schreibt, möchte genau an diese Zeiten anküpfen – an Zeiten, die seit 2013 vorbei sind (das sind in dem Moment, in dem ich das schreibe, sechs Jahre). Er möchte genau die negativen Bilder von penetranten Kontrolleuren, Peilwagen (die es übrigens nie gab), Datenhandel und bösen Briefen bei seinen Lesern oder Zuhörern auslösen. Vor allem aber negiert so jemand, dass es zwischenzeitlich eine von allen Landtagen beschlossene Änderung am Beitragssystem gab – also ein demokratisch legitimierter Prozess.

Und um es klar zu sagen: Natürlich kann man prinzipiell gegen öffentlich-rechtlichen Rundfunk sein. Nur sollte man dann auch klar und deutlich sagen, dass man ihn einfach abschaffen möchte und warum.

2. Wer immer nur auf den Intendantengehältern rumreitet, kann nicht rechnen

Siehe taz

https://www.taz.de/!5562955/

„Wenn also bei den Intendant*innen die Haarschneidemaschine und nicht die feine Schere benutzt und ihre Gehälter um 50 Prozent gekürzt würden, könnten 1,66 Millionen Euro jährlich gespart werden, oder: knapp 0,021 Prozent der Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag. Pro Beitragskonto – 2017 gab es davon 44,9 Millionen – wären das rund 4 Cent. Pro Jahr.“

3. Wer immer nur auf Unterhaltungssendungen im Fernsehen rumreitet, hat keine Ahnung

Mediatheken. Webangebote. Radio

4. Wer von üppigen Gehältern spricht, hat sich nie mit ö-r Mitarbeitern unterhalten.

http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/Gehaelter_und_Verguetungen_in_der_ARD/4127124/index.html

5. Wer nicht konkret sagt, was er einsparen möchte und was das bringen soll, will gar keine Vorschläge machen.

Orchester

Progression, Tarfifgefüge, Preise der Wirtschaft

http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/Verwendung_der_17_50_Euro_Rundfunkbeitrag/309602/index.html

https://kef-online.de

Soll man Sendungen auf Sorbisch oder Plattdeutsch einstellen?

6. Wer behauptet, Privatsender wären kostenlos oder günstiger, der lügt sehr wahrscheinlich (oder kann nicht rechnen).

Natürlich ist ein Vergleich der Kosten in diesem Bereich immer ein bisschen der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Aber ich versuche mal, die Fakten rund um die Kosten gegenüberzustellen auf Basis dessen, was sich via Internet relativ schnell rausfinden lässt:

ARD/ZDF/Deutschlandradio:

  • Ich bekomme mit einer DVB-T2-Antenne (was im Moment der einzige proprietäre Empfangsweg ist, für den nicht noch jemand anders die Hand aufhält) für 17,50 Euro exakt 20 Fernsehprogramme ohne zusätzliche Gebühren.
  • Dazu bekomme ich theoretisch (und via Internet tatsächlich) ein Vielfaches an Hörfunkprogrammen.
  • Ebenso kann ich Mediatheken und andere Online-Inhalte kostenlos nutzen.

Kommerzielle Sender:

  • Um Privatsender „kostenlos“ zu empfangen, muss ich jetzt 5,75 Euro pro Monat bezahlen.
  • Hinzu kommt dann entweder Werbung oder zusätzliche Gebühren für Pay-TV oder beides.
  • Werbung kommt in kommerziellen Sendern rund um die Uhr. Ich bezahle dafür (etwa indem ich Produkte kaufe, die Geld für Werbung ausgeben und dieses in den Produktpreis einpreisen müssen).*
  • Die Werbeeinnahmen der kommerziellen Sender in Deutschland betragen zur Zeit etwa Mrd. € im Jahr (Quelle: Statista).

http://www.dvb-t2hd.de/files/Programmbelegung_DVB-T2_HD_Stand_Juli_2018.pdf

Mit diesen Daten kann ich jetzt folgende Vergleichs-Rechnung anstellen: Ich teile die Werbeeinnahmen durch „Beitragskonten“ von ARD/ZDF/Deutschlandradio, somit weiß ich, wie viel Einnahmen pro Zuschauer generiert werden. Also:

(4.500.000.000 Euro : 42.000.000 Beitragskonten) : 12 Monate = 8,9286 Euro pro Monat und Haushalt (~ 8,93 Euro).

Wenn ich also private Fernsehsender über denselben Weg wie öffentlich-rechtliche gucken (DVB-T2) gucken, bezahle ich 14,65 Euro im Monat, bekomme dafür aber keine Radiosender und wenig bis keine kostenlosen Online-Inhalte in Mediatheken und anderswo.

Zieht man – um den Kosten für die Fernsehprogramme von ARD und ZDF auszurechnen – die Radioprogramme von ARD und Deutschlandradio ab (2,11 € + 0,50 €), kommt man übrigens auf 14,89 Euro – also fast denselben Betrag; da bekommt man dann aber auch die eine oder andere Mediathek und ein paar Orchester dazu.

Um diese Rechnung also nochmal zusammenzufassen:

  • Kosten pro Haushalt für 20 Fernsehprogramme von ARD und ZDF: 14,89 Euro
  • Kosten pro Haushalt für 20 kommerzielle Fernsehprogramme: 14,65 Euro**

Ja, das ist ein bisschen einfach gerechnet. Wenn man aber so grob schon auf so geringe Unterschiede kommt, dann würde es sich doch lohnen, mal genauer nachzubohren. Meine These: Wenn man das noch detaillierter durchrechnete (z.B. kommerzielle Radiosender und die Finanzierung der Landesmedienanstalten einbezöge), würde der Unterschied noch weniger deutlich oder würde sich das Verhältnis sogar umkehren. Und um es klar zu sagen: Ich habe ja jahrelang selbst im Privatfunk gearbeitet und kenne die oftmals prekären Verhältnisse dort sehr gut – bin also absolut nicht der Meinung, dass man hier öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Rundfunk gegeneinander ausspielen sollte. Nur: So zu tun, als würde privater Rundfunk nichts kosten, dient keiner seriösen Debatte und ist auch nicht zielführend.

*Ja, auch in öffentlich-rechtlichen Sendern gibt es Werbung. Aber: Grundsätzlich niemals online, ausschließlich in bestimmter Länge und beschränkt auf bestimmte Tageszeiten und auch all das wird diskutiert. Alle Landesprogramme („die Dritten“) sind werbefrei, dazu viele Radioprogramme wie die drei Programme des Deutschlandfunks, aber auch z.B. DASDING vom SWR und – was ich ganz besonders wichtig finde – der KiKa. Daneben würde ein völliger Verzicht auf Werbung natürlich auch bedeuten, dass dieses Geld fehlt oder woanders herkommen muss; der Rundfunkbeitrag müsste bei einem Werbeverzicht und gleichbleibendem Angebot also steigen.