(M)eine kleine Geschichte des zweistufigen Facebook-Buttons

Lesezeit: 4 Min., von Titus Gast gepostet am Wed, 7.9.2011
Tags: datenschutz, facebook, social media, swr3, shariff, social plugin, like button

Manchmal dauert es etwas länger, bis sich eine Idee durchsetzt. Die Idee, den Facebook-Like-Button so zu gestalten, dass nicht gleich Daten von jedem in die USA übertragen werden, ist nicht neu. Datenschützer und Facebook selbst haben ihr aber jetzt erst zu einem erstaunlichen Siegeszug verholfen. 

Zunächst die nackten Fakten: Die Social Plugins von Facebook, die sich auf vielen Webseiten finden, sind zwar beliebt und für Facebook-User eine tolle Sache. Nur leider sammelt Facebook auf diese Weise auch Daten von nicht bei dem Netzwerk angemeldeten Usern – und sei es nur, dass IP-Adressen aus technischen Gründen in die USA übertragen werden. Da das mit deutschem Datenschutzrecht nicht wirklich vereinbar ist, gibt es Kritik an diesen Buttons, seit es diese Buttons gibt. Laut wurde die aber erst in diesem Sommer 2011, nachdem das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) angekündigt hatte, Website-Betreiber in Schleswig-Holstein abzumahnen, wenn sie diese Plugins einsetzen.

Mitten in dieser Aufregung präsentierte dann heise.de sein Konzept, die Buttons datenschutzkonform einzubinden: Durch eine Zwei-Klick-Lösung, bei der der User den eigentlichen Button (in diesem Falle den für Facebook, Google+ und Twitter) erst aktiviert. So behalte ich als User die Kontrolle darüber, welchem Dienst ich Informationen über mein Surfverhalten anvertrauen möchte und welchem nicht.

Als heise.de (wie übrigens auch andere Websites) dann von Facebook aufgefordert wurde, diese Buttons zu entfernen, war diese Zwei-Klick-Lösung schon ein Renner – und Facebooks Beschwerde über die Kopie des Buttons heizte das nur noch weiter an. Seitdem gilt heise.de als der „Vorreiter” – was so nicht stimmt. Diese Lösung ist schon wesentlich älter.

Ich selbst stolperte das erste Mal über die Social-Plugin-Problematik, als die Betreiber des Stadtportals hamburg.de erklärten, warum sie den Gefällt-mir-Button erst ein- und dann wieder ausgebaut hatten. Das war im Sommer 2010, also vor über einem Jahr. Schon damals wurde im Netz (u.a. auch in den Kommentaren zum verlinkten Post) bereits die zweistufige Lösung diskutiert, bei der ein vorgeschalteter Button erst das eigentliche Plugin aktiviert. Technisch gesehen ist das kein Problem: Per Javascript wird der IFrame mit dem Button erst dann geladen, wenn der User draufklickt.

Bei SWR3.online arbeiteten wir zu dieser Zeit an den Konzepten für unseren Relaunch und nahmen diese Idee mit in die Planungen auf. Zufälligerweise stolperte ich etwa zu dieser Zeit bei der Krankenkasse BIG über eine konkrete Umsetzung dieser Zwei-Klick-Lösung. Wann das genau war, weiß ich nicht mehr, es muss aber irgendwann im Herbst 2010 gewesen sein. Der Button ist interessanterweise seit damals unverändert auf deren Website im Einsatz (offensichtlich hat Facebook das noch nicht gemerkt).

Die Variante mit den zwei Klicks ging dann Ende Januar 2011 bei SWR3.de online und ist dort seitdem im Einsatz. Wir hatten – abgesehen von einem Absatz in den Datenschutzhinweisen – kein großes Aufhebens um diese Umsetzung gemacht, weil wir ja erstens wussten, dass wir nicht die Erfinder waren, und zweitens aus verschiedenen Gründen gar nicht so sicher waren, ob das nun wirklich die beste Lösung für das Problem ist. Hin und wieder kamen Anfragen zu unserem Doppel-Klick-Button von Usern, die das Konzept gut fanden und in ihre eigene Website einbauen wollten, bis August bewegte sich das allerdings etwa im einstelligen Bereich.

Das änderte sich schlagartig, als das ULD Ende August 2011 ankündigte, Webseitenbetreiber wegen der Buttons abmahnen zu wollen. Unter anderem erwähnte Spiegel Online die Zwei-Klick-Lösung bei SWR3.de. Kurz darauf führte heise.de die zweistufigen Buttons ein, begleitet von einem ausführlichen Artikel, in dem dieser Schritt erklärt wurde. Anscheinend ist Facebook durch diese Berichterstattung erst auf das „Problem“ aufmerksam geworden und bat dann heise.de und eben SWR3, den Button in dieser Form zu entfernen.

Während anfangs noch der Eindruck entstand, Facebook ginge es um die gesamte Zwei-Klick-Lösung als solche (was entsprechend unfreundliche Reaktionen provozierte), ruderte Facebook dann zurück stellte Facebook über seine Pressesprecherin (interessanterweise via Twitter) klar: „2-klick-Button ist nicht ideal – aber kein Problem. Nur ein Like-Button der grafisch so tut als ob er einer ist, ist nicht ok. Das ist alles.“ Sowohl bei heise.de als auch auf SWR3.de gibt’s jetzt Buttons, die nicht mehr so aussehen, als kämen sie von Facebook.

Für den User macht es das zwar nicht einfacher, aber Facebook wollte es so – und dank dieser Aktion und der Berichterstattung darüber ist nun sogar ein WordPress-Plugin entstanden, das die Zwei-Klick-Buttons nun auf viele, viele Blogs zumindest im deutschen Sprachraum bringen wird. Wohlgemerkt: Das alles nur, weil sich Facebook an der Optik der nachgemachten Buttons störte. Statt weniger Websites mit diesen Zwei-Stufen-Buttons wird es nun also viel mehr geben. Ein schönes Eigentor.

Update 2014: Inzwischen gibt es mit dem Shariff ein völlig neues Konzept, das gar nicht mehr auf die Original-Plugins setzt, sondern einen anderen (und noch datenschutzfreundlicheren) Weg geht.

Disclaimer: Ich arbeite für den SWR (zum Zeitpunkt des Artikels direkt für SWR3.online).


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