Journalistische Mitverantwortung?

Nachdenkliche Töne in all der Aufregung um deutsche Entführungsopfer im Irak: ARD-Korrespondent Christoph Maria Fröhder hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben, das in der Internetversion leider nicht besonders lesbar ist (weil die Kollegen die optische Differenzierung zwischen Frage und Antwort vergessen haben), aber umso lesenswerter. Für ihn ist das Verhalten vieler Publikationen im Fall Osthoff (er nennt vor allem BILD und Focus, aber auch FAZ und ZDF) und im aktuellen Fall der beiden im Irak entführten Ingenieure ziemlich verantwortungslos. Auch wenn Medienschelte in solchen Fällen immer irgendwie opportun ist – ein schaler Beigeschmack bleibt doch zurück.

 

Skeptisch-optimistischer Ausblick

Absolut lesenswert für alle, die sich mit der Zukunft der Medien und dem beschäftigen, was gerne als „Bürgerjournalismus“ bezeichnet wird: Ein ausführliches Interview mit Dan Gillmor (u.a. Autor von „We The Media“) findet sich heute bei Fabian im notebook onlinejournalismus. Knackiges Zitat gefällig? „Was früher nur eine Vorlesung war, bewegt sich immer mehr in Richtung einer Konversation.“ Klasse, das ist doch programmatisch. Vor allem versteht man das auch in jedem noch so entlegenen Elfenbeinturm des traditionellen Journalismus.

 

Stoiber ääääh und äääääh Transrapid

Da hat er mal wieder zugeschlagen, der Edmund Stoiber, und die Blogs sind voll davon: Ein (anscheinend heimlicher) Mitschnitt macht die Runde, in dem Stoiber erklärt, wie das mit dem Transrapid funktionieren soll. Zu finden ist das Oeuvre unter anderem bei den bayerischen Grünen und bei Mario Sixtus, in beiden Fällen auch als mp3. Etwas über eine Minute lang schwadroniert unser aller Ministerpräsent da vor Parteifreunden über den Transrapid, allerdings macht er das zu Fuß und verläuft sich dementsprechend. Klingt für viele unglaublich. Tragisch ist: Jeder, der mal das Vergnügen hatte, O-Töne des Herrn Stoiber in sendbare Einheiten zu schneiden, der kennt solche Ausfälle. Das Problem ist nämlich: Wenn nicht gerade heimliche Mitschnitte die Runde machen oder Stoiber live auftritt, dann hören wir ihn praktisch nur frisiert. Das liegt daran, dass die meisten Sender Vorgaben haben, was die Länge eines O-Tons betrifft. Nehmen wir mal an, ein Sender sagt: Nachrichten-O-Töne sind bei uns in der Regel 20 bis 30 Sekunden lang. Idealerweise besteht so ein O-Ton aus mehr als einem ganzen Satz und trifft natürlich auch eine substanzielle Aussage. Nehmen wir nun weiter an, es soll eine Meldung mit Stoiber-O-Ton zu irgendeinem Thema laufen. Also wird aus dem aktuell vorhandenen O-Ton-Material des Herrn Ministerpräsidenten ein passender O-Ton zurechtgeschnitten. Das ist das übliche Prozedere, nur dass das erstens in diesem Fall ein großer Brocken Arbeit ist und zweitens natürlich die Realität verzerrt. Über den Daumen gepeilt, büßen Leute wie Stoiber beim „Tuning“ auf 20 Sekunden locker drei bis fünf Ähs ein, und Profis schwören darauf, auch mal die Satzstellung etwas umzubauen. Tragisch daran ist, dass das nicht etwa aus politischen Gründen geschieht, sondern einfach, weil er sonst schlicht unsendbar wäre. Mit anderen Worten: So flüssig, wie Stoiber normalerweise zu hören ist, äußert er sich eher selten. Wäre übrigens auch mal eine spannende kommunikationspsychologische Fragestellung: Hätte Stoiber ein anderes Image, wenn er öfter ungefiltert zu hören wäre?

 

50 ms

50 Millisekunden sind kurz. Sehr kurz. Nach aktuellen Studien (siehe Spiegel Online und Telepolis) ist das genau die Zeit, in der sich entscheidet, ob ein User auf einer Webseite bleibt oder weitersurft. Wieder so eine Zahl, die vor allem Unbehagen bereitet und etwas ratlos macht. Aber irgendwie müssen wir damit alle klar kommen. Das stellt hohe Anforderungen an Design, Inhalte und Navigation. Eigentlich lässt sich daraus nur folgern, dass es für den User möglich sein muss, innerhalb kürzester Zeit zu erfassen, ob eine Site das bietet, was er/sie sucht. Wie das geht, darüber lässt sich natürlich wieder trefflich streiten. Aber es spricht viel dafür, dass gutes Design in diesem Sinne was mit Klarheit, Einfachheit und Übersichtlichkeit zu tun hat. Also an die Arbeit…

 

Aufpassen mit Web 2.0

Manchmal sind wir gierig. Wir nehmen dann einen großen Bissen – und verschlucken uns daran. Manche sind auch schon daran erstickt. So ähnlich ist das derzeit mit allem, was irgendwie in Richtung „social software“ geht, gerne wird auch der Begriff „Web 2.0“ in die Runde geworfen. Wie so ziemlich alles, hat das Ding zwei Seiten. Wie das Verschlucken oder Ersticken in diesem Fall aussehen könnte, darüber schreiben Claus Moser und Don Alphonso. Aber Vorsicht: Könnte ein nachdenklicher Start in die Woche werden…

 

Heiligs Blechle!

Manche eher bedenklichen Entwicklungen haben auch ihr Gutes: So hat uns der heftig diskutierte baden-württembergische Einbürgerungs-Fragebogen jetzt auch für einen wunderbaren Antwort-Leitfaden beschert. Der hält diesem Möchtegern-Fragebogen sehr schön den Spiegel vor. Und zeigt auch, dass die kaum versteckten Vorurteile eigentlich wenig überraschend sind, denn die findet man an jedem Stammtisch. Viel schlimmer ist, dass Behörden sich offenbar nicht mal mehr professionelle Fragebögen leisten können, mit denen sie wirklich etwas herausfinden könnten. Das sollte einen sehr, sehr nachdenklich stimmen.

 

Ausnahmsweise mal kein Wiki-Bashing

Ist zwar schon ein paar Tage her, aber interessant, dass es das noch gibt: Ein Bericht über einen neuen… naja, nennen wir es eben mal… Zwischenfall in der deutschsprachigen Wikipedia, der nicht in in das übliche Wikpedia-Bashing verfällt. Im aktuellen Fall ging’s um den Professor Bertrand Meyer, der in der deutschsprachigen Wikipediatotgeschrieben“ wurde. Spiegel Online nahm das zum Anlass für einen richtigen Rundumschlag, der angenehm unaufgeregt daher kommt. Steht viel Wahres drin, an das wir uns beim nächsten „Wikipedia-Skandal“ unbedingt erinnern sollten.

 

WordPress, iPhoto und Gallery

Flickr ist gemein. Da will man ein viertes Photoset anlegen, und schon wollen die Kohle sehen, Dabei zahl ich ja schon Geld für einen Haufen Webspace. Also musste eine eigene Lösung her, zumal nach dem Update auf WordPress 2 auch die Flickr-Integration auf meinen Seiten nicht mehr sauber funktionierte. Gallery 2 ist so eine eigene Lösung. Läuft auf dem „eigenen“ Server – und die Aufgabe war nun, dieses Bildergalerie-CMS in zwei Richtungen zu verknüpfen:

  1. Gallery mit iPhoto: Dafür gibt’s ein wunderbares Plugin mit dem fantasievollen Namen iPhotoToGallery. Das hat mich mindestens drei Stunden gekostet, denn erst wollte es nicht. Lag aber nicht an iPhoto oder am Plugin, sondern daran, dass mir in meiner Gallery-Installation ein Modul gefehlt hat – denn ohne dieses Modul namens „Gallery Remote“ läuft gar nix: iPhoto kann keine Verbindung herstellen. Wenn dieses Ding aber erst mal installiert ist, geht alles ganz flott: Einfach Fotos in Gallery exportieren, Upload abwarten, fertig.
  2. Gallery mit WordPress: Natürlich sollen die Fotoalben in meinen Internetauftritt integriert werden, der auf WordPress als CMS basiert. Auch dafür gibt’s ein WordPress-Plugin namens WPG2 (WordPress Gallery2). Das lief relativ problemlos, allerdings erst, nachdem das hungrige Monster namens Gallery2 noch mit einigen weiteren Plugins (Image Block, ImageFrame) gefüttert war.

Die Verknüpfung zwischen Gallery 2 und WordPress bedeutet dann allerdings noch nicht, dass das Ganze auch ordentlich aussieht. Man muss schon das richtige Gallery-Theme erwischen oder sich selber eins bauen. Die Do-It-Yourself-Variante erschien mir nicht ganz trivial, deswegen greife ich vorerst auf das (in Gallery 2 bereits mitgelieferte) sensationelle Theme von Siriux.net zurück. Das ist so gestaltet, dass es sich dank CSS relativ problemlos in das eigene Seitendesign einfügt. Zumindest läuft das bei mir so. Natürlich lässt sich das noch besser an die eigene Seitenstruktur anpassen (Navigation rechts/links etc.), aber für den Moment tut es.
Allerdings muss eines noch gesagt werden: Wenn mein Webspace nicht für die Bilder ausreichen würde, dann hätte ich auch ein bisschen Geld für das Aufbohren meines Flickr-Accounts investiert. Das Ding ist und bleibt klasse.