Wikipedia vor der Spaltung?

Jetzt haben es die Wikipedia-Kritiker also geschafft: Die Online-Ezyklopädie wird zumindest in einer nicht veränderbaren Version veröffentlicht werden und damit wird so was wie eine redaktionelle Kontrolle Einzug halten. So will es Wikipedia-Gründer Jimmy Wales (zu lesen u.a. in der SZ). Zumindest dieser „offizielle“ Teil wird sich dann also im Prinzip nicht mehr von anderen Enzyklopädien unterscheiden. Wie relevant der dynamische Teil dann noch sein wird (eben das, was wir heute als Wikipedia kennen), ist die Frage. Denn schon die Diskussionen um Fehler und Scherzartikel in den letzten Wochen hat gezeigt, dass vielen immer noch das Wiki-Prinzip nicht ganz klar ist. Eine „eingefrorene“ Wikipedia ist eben keine, sondern nur eine weitere Ezyklopädie unter vielen.
Die grundsätzliche Frage beantwortet das aber auch nicht: Warum sollte ausgerechnet ein Online-Lexikon, an dem jeder mitarbeiten kann, so verlässlich sein, dass der User sein Hirn ausschalten und alles kritiklos übernehmen kann? Warum sollte ausgerechnet da nicht gelten, was überall sonst im Netz gilt, nämlich dass man bitte selbst mitdenken, Quellen vergleichen und kritisch hinterfragen sollte? Klar ist das was anderes, als daheim Band 16 des großen XY-Lexikons in die Hand zu nehmen und zu glauben, was da drin steht, wäre Gesetz. Aber es hat auch niemand jemals behauptet, dass es dasselbe wäre. Genau das scheinen aber viele zu glauben. Schade eigentlich.

 

Kontext-sensitive Politik-Finanzierung?

Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht zu den regelmäßigen Lesern ihres Weblogs gehöre: Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin hat mich mit ihrem Blog heute ordentlich übrrascht – um nicht zu sagen erschreckt – und zwar durch ein Posting, das sich in meinem RSS-Reader so präsentierte (ein Klick macht’s größer):
Posting von Silvana Koch-Mehrin mit Werbebanner im RSS-Feed
Ich weiß nicht, ob es an morgendlicher Unausgeschlafenheit lag, aber im ersten Moment dachte ich, die Grafik gehöre inhaltlich zum Posting. Auch nach reiflicher Überlegung mag man das zwar nicht ganz ausschließen, es dürfte aber mehr so sein, dass damit der Blogbetreiber (MSN bzw. Focus) sein Geld verdient. In diesem Fall allerdings – wo es ja zumindest um den Dialog zwischen Politikern und Bürgern gehen sollte (den eigentlichen Sinn und Zweck von Politiker-Blogs) – wirkt das etwas seltsam. Schließlich bezahlen wir die Politiker ja von unseren Steuergeldern und dürfen dafür auch erwarten, dass sie uns kostenlos über ihre Arbeit informieren. Wollen wir als Bürger das wirklich mit einer Werbebotschaft verbunden wissen? Gerade in Zeiten von Diskussionen über Nebeneinkünfte zumindest ein diskussionswürdiges Thema.

Nachtrag: Frau Koch-Mehrin ist nicht die einzige – die gleiche Werbung taucht auch in den RSS-Feeds der anderen Focus-Politiker-Blogs auf (z.B. auch bei dem von Oswald Metzger). Die können also gar nichts dafür. Zumindest aber könnten sie mal bei ihrem Bloghoster nachfragen, was das soll und ob das sein muss.

 

Doppelt zahlen für Schmidt?

Erst denkt man sich ja noch nix, wenn man so liest, dass Apple gerne den iSchmidt als Video-Podcast anbieten würde. Und wenn es dann noch Spekulationen gibt, dass vielleicht bald zumindest Ausschnitte aus der Show im iTunes Music Store geben soll, dann sind nicht wenige kurz davor, zu jubeln: „Hurra, endlich nicht mehr Harald Schmidt verpennen! Endlich nicht mehr zweimal die Woche unausgeschlafen aufstehen!“ Oder so.
Doch kaum denkt man ein paar Tage drüber nach, schleicht sich ein seltsamer Gedanke in die eigenen wirren Gedankengänge ein und macht sich da richtig breit: Harald Schmidt läuft in der ARD. Wir bezahlen dafür mit unseren Rundfunkgebühren. Wenn nun Apple wie auch immer geartete Ausschnitte aus der Sendung verhökern würde, dann würden wir damit also für etwas bezahlen, wofür wir eigentlich schon bezahlt haben. Klar, das machen viele so – ist ja auch keine Seltenheit, dass ich z.B. als Abonnent einer Zeitung noch mal extra löhnen muss, wenn ich elektronischen Zugriff aufs Archiv oder das E-Paper will. So lange jemand bereit ist, das auch zu zahlen, kann man sagen: Das ist dann eben Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage und so weiter. Allerdings ist die ARD kein kommerzieller Sender. Also gelten marktwirtschaftliche Gesetze da nur eingeschränkt (siehe Werbung, Sponsoring und Schleichwerbung). So wünschenswert ein Harald-Schmidt-Video-Podcast zweifellos wäre – das Ding für Extra-Kohle zu verkaufen, könnte sich somit sehr schnell als echtes Politikum herausstellen. Beim iSchmidt ist das natürlich was anderes: Dafür lässt sich Schmidt ja nicht von der ARD und damit von Gebührenzahler bezahlen, also kann er auch noch mal extra die Hand aufhalten.

 

Wikipedia vs. Britannica: 1:1

So was aber auch: Da hörte man tagelang nur schlechtes über Wikipedia (z.B. hier), und nun bekommt sie ein derart dickes Lob: Die SZ berichtet heute über ein interessantes Testergebnis des britischen Fachmagazins „Nature“: Demnach ist das, was in der freien Online-Ezyklopädie zu lesen ist, unter dem Strich auch nicht wesentlich schlechter als das, was man in der renommierten Encyclopaedia Britannica so lesen kann. Und zwar genau so liest sich das zwischen den Zeilen. Mit anderen Worten: Die Britannica schreibt auch oft Mist. Das tut natürlich weh. Vor allem all denjenigen, die aus welchen Gründen auch immer was gegen das Wikipedia-Prinzip einzuwenden haben oder sich nicht vorstellen können, dass selbst hauptamtliche Koryphäen mal Blödsinn schreiben.

 

"Miserable failure"

Ich weiß nicht, ob’s was mit der plötzlich hereinbrechenden Weihnachtszeit zu tun hat. Mich erreichen seltsame Mails, die behaupten, Google wäre so was ähnliches wie kaputt, weil die Suche nach dem Wort „Failure“ direkt auf die Biografie von George W. Bush linkt. Tatsächlich wird die nämlich als erster Treffer angezeigt, ein Klick auf „Auf gut Glück“ bringt einen direkt auf die Seite. Muss doch ein Fehler sein, oder? Sicher funktioniert dass nur heute, denn sicher merken die das beim Suchmaschinenbetreiber bald.
Ist es wirklich ein Bug? Oder doch ein Feature? Wenn man sich die Mühe macht, die entscheidenden Begriffe in besagter Suchmaschine einzutippen, dann findet man heraus: Weder noch! Aber der Trick funktioniert schon seit Jahren, und seit Jahren hat Google nix dran geändert, weil das, was dahinter steckt, nun mal auch das Geheimnis des Erfolges ist. Kurz gesagt geht’s um die Art und Weise, nach der die Software bei Google die Relevanz von Links beurteilt. Die BBC schrieb dazu vor ziemlich genau zwei Jahren:

The trick is possible because Google searches more than just the contents of web pages – it also counts how often a site is linked to, and with what words.

Bush ist schlicht und ergreifend vor langer, langer Zeit das Opfer eines Google-Bombings geworden, dessen Ergebnis hier immer noch zu besichtigen ist. Laut Standard verfolgt eine neuere Aktion dieser Art sogar einen guten Zweck. Neu ist das also nicht, und die Mail, die mich erreicht hat, kursiert seit satten zwei Jahren. Sie staubt schon ein bisschen. Bitte löschen, nicht weiterleiten!

 

Vienna entdecken

RSS- bzw. Atom-Reader sind Geschmackssache. Während den meisten wahrscheinlich der Browser reicht, wollen andere doch ein bisschen mehr. Wenn man dann sparen will, ist das zumindest auf dem Mac bislang nicht so einfach gewesen: NetNewsWire Lite reicht eben doch manchmal nicht aus, ein paar Funktionen mehr wären schon nett. Aber dafür gleich 25 Euro zahlen…?! Da kommt jetzt Vienna grad recht: Trotz Betaversion macht das Programm einen sehr ausgereiften Eindruck – integrierter Browser, umfangreiche Ordnerfunktionen, intelligente Ordner etc., alles mit drin. Ist zumindest mal einen Testlauf wert.