Schreibende Blogger

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein etwas schiefes Bild, wenn Spiegel Online einen AP-Bericht über das Blog des Ex-Königs von Kambodscha mit „Die spitze Feder von Kambodschas Ex-König“ überschreibt. Gut, denkt man sich, die Original-Überschrift der Agenturmeldung „Königlicher Blogger nimmt kein Blatt vor den Mund“ war den Damen und Herren halt zu langweilig oder man wollte noch was ändern, damit zumindest noch ein bisschen Redakteursarbeit drinsteckt. Denn natürlich schreibt streng genommen kein Blogger dieser Welt noch mit der Feder, also auch nicht mit spitzer. Klar, das ist Haarspalterei, aber eben wichtig. Denkt man sich so. Bis man einige dieser Einträge auf Sihanouks Website genauer unter die Lupe nimmt und feststellt: Es stimmt, er bloggt tatsächlich handschriftlich!

 

Sprachpolizisten unter sich

Auf den ersten Blick scheint es immer ein bisschen lustig, wenn jemand krampfhaft versucht, seine Sprache anglizismenfrei zu halten. Besonders professionalisiert haben diese Kunst bekanntlich unsere französischem Nachbarn – aktuell auch nachzulesen bei Telepolis. Zugegeben, die meisten der genannten Beispiele sind etwas übertrieben. Aber nach dem ersten Schmunzeln machen sie auch nachdenklich: Man muss ja nicht gleich das „Zwischennetz“ oder die komplette „Weichware“ neu erfinden… Manchmal reicht es auch, eine Datei auf die Festplatte des Rechners herunterzuladen, anstatt sie „downzuloaden“. Und schon sind wir selber unter die Sprachpuristen gegangen – oft, ohne es zu wollen. Von da ist es zur strafbewehrten „nicht-dies-sondern-das“-Liste nicht mehr weit. Nicht zuletzt die Diskussion um die Deutschquote im Radio hat kürzlich gezeigt, dass manches, was früher mal indiskutabel war, plötzlich schwer angesagt sein kann.

 

Nominiert sind…

Aus dauert noch etwas, bis am 30. Juni die Grimme Online Awards verliehen werden. Spiegel Online widmet den Nominierten aber schon eine ausführliche Geschichte und stellt fest, dass vor allem Wikis und Blogs in diesem Jahr groß rauskommen. An der Defintion „Tagebücher im Netz“ für Blogs müssen wir aber noch ein bisschen arbeiten… 😉
Den Nominierten können wir aber trotzdem schon mal gratulieren, auch wenn sie keine Tagebücher veröffentlichen.

 

Hilfe, das Unterschichtenfernsehen kommt!

Keine Frage, der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ ist so was wie der aktuelle Chartbreaker bei den Gemeinplätzen des gepflegten Kulturpessimismus geworden. Deshalb widmet Spiegel Online dem „Unterschichtenfernsehen“ auch einen sehr aufschlussreichen Artikel über die Auswirklungen des Begriffs auf die Werbe- und die Marktforschungsabteilungen der Sender. Demnach herrscht in Deutschlands Fernsehlandschaft Nervosität – denn es könnten ja Werbetreibende auf die Idee kommen, dass „Unterschichtenfernsehnutzer“ kein Geld haben, das sie ausgeben können, und ihre Werbemillionen lieber beim „Oberschichtenfernsehen“ (seltsamerweise scheint es dieses Wort nicht zu geben) raushauen. Also versucht gerade jeder, sein Programm möglichst „unterschichtenfrei“ zu halten. In dieser Debatte ist also noch jede Menge Zündstoff – und sie wird uns noch eine ganze Zeit lang begleiten. Immerhin: Wenn man optimistisch ist, kann man darin Ansätze für ein Comeback der Qualität sehen; vielleicht zählt zukünftig nur noch Klasse statt Masse? Nur noch Qualität statt Quote? Oder wäre das schon wieder viel zu oberschichtenmäßig gedacht?

 

T.R.F.K.A.P.O.Y., W.C.B.C.S.M.B.G.D.N.L.T.

Nicht, dass es die „Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien“ erst seit gestern gäbe… Aber gestern Abend hat der geneigte Grand-Prix-Zuschauer Eurovision-Song-Contest-Zuschauer eine Menge Spaß mit diesem Staatsgebilde gehabt: „Former Yugoslav Republic Of Macedonia, two points – Ex-République Yougoslave de Macédoine, deux points“. Man hatte den Eindruck, als hätten bei der Punktevergabe Dutzende Moderatoren in den jeweiligen Ländern und der arme Kerl in Kiew, der das Ganze auf Französisch übersetzen musste, ernsthafte Schäden am Sprechapparat davon getragen. Das schlimmste aber ist: Die Mazedonier können gar nichts dafür. Schuld ist ein Streit mit Griechenland über die Bezeichnung „Mazedonien“, die Griechenland für einen Teil des eigenen Territoriums reklamiert. Aber nachdem Griechenland ja nun gewonnen hat, könnten die doch mal ein bisschen Größe zeigen, oder? Also liebe Griechen: Bitte tut was! Dieser Ländername ist einfach unpraktisch! Und allen Mazedoniern sei zugerufen: Wenn schon so eine Bezeichnung für ein Land nötig ist, dann überlegt euch doch was richtig cooles, so wie Prince damals! Ich schlage also als künftige Bezeichnung für Mazedonien vor: „The Republic Formerly Known As Part Of Yugoslavia, Which Cannot Be Called Simply Macedonia Because Greece Does Not Like That“, was sich auch praktisch mit „T.R.F.K.A.P.O.Y., W.C.B.C.S.M.B.G.D.N.L.T.“ abkürzen lässt. Das hätte wahre Größe.

 

Viel Lärm um Wikipedia

Schon interessant, welche Wirkung ein paar Änderungen bei Wikipedia haben können. Torsten Kleinz rekapituliert in Telepolis die Aufregung der letzten Tage um die Rüttgers- und Steinbrück-Einträge in der deutschsprachigen Wikipedia – und stellt dabei fest, dass die mediale Aufmerksamkeit offenbar nicht von besonderem Sachverstand geprägt war. Aber die Geschichte ist natürlich auch ein allzu gefundenes Fressen für diejenigen, denen die Arbeitsweise der offenen Internet-Enzyklopädie suspekt ist. Nachdem heute gewählt wird, darf man davon ausgehen, dass bald kein Hahn mehr nach dieser Episode kräht. Auch nicht nach der „Moral von der Geschicht“, wie sie Kleinz‘ Artikel deutlich zeigt: Man tappt auch als gestandener Journalist sehr schnell in die Falle, wenn man auf der Suche nach Skandalen ist und dabei zu aufgeregt ans Werk geht. Etwas mehr professionelle Gelassenheit würde uns allen – neben guter Recherche und einem gesunden, aber nicht einseitigen Misstrauen – ganz gut anstehen.

 

Ein bisschen Lärm um Podcasting

Auch eines der bekanntesten Foren rund ums Thema Radio hat jetzt Podcasting entdeckt. Gerade läuft ein Thread, in dem es – stark vereinfacht – um Chancen und Gefahren des Podcastings für den herkömmlichen Hörfunk geht. Es sieht – vorsichtig formuliert – danach aus, als wäre da unter Deutschlands Hörfunkern noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Auch scheint nicht jedem klar zu sein, worum es genau geht. Immerhin beweist das: Das Thema Podcasting macht sich offensichtlich gerade auf den Weg heraus aus der Technikfreak-Ecke.

 

Rot siegt

Wenn das nicht das Zeug zu einem neuen Sportskandal hat! Rote Sportler gewinnen öfter, behauptet der Tages-Anzeiger unter Berufung auf eine britische Studie. Also: Rote Trikots und sonstwie rotes Equipment machen zumindest einen Sieg wahrscheinlicher. Das wirft ein interessantes Licht auf die aktuellen Ergbnisse von Ferrari in der Formel 1 (M. Schumacher 7., Barrichello 11.): Vielleicht sollten die’s einfach mal mit roten Autos probieren?!

 

Fernstreicheln

Davon träumen (oder alpträumen) wir ja schon lange: Berührungen per Internet von A nach B übertragen. Wer da allerdings gleich an schmutzigen Cybersex denkt, den belehrt der Corriere heute eines besseren. Es geht bei der gerade in Singapur entwickelten Art der virtuellen Fernbeziehung mehr um die zwischen Mensch und Tier. Wired spricht von „Tele-Petting“, was leider wieder eindeutig zweideutige Assoziationen zulässt. Tatsache ist: Das, was die Forscher in Fernost da entwickelt haben, nennt sich „Touchy Internet“ und funktioniert mit einem Hühner-Modell, das mit Sensoren ausgestattet ist und die Berührungen an ein echtes Huhn überträgt. Der Corriere mutmaßt, bald könnte es das System uns auch erlauben, „von Ferne jedes beliebige Haustier zu streicheln, oder gar einen Freund am anderen Ende der Welt zu umarmen“. Und da kommen wir der Sache schon näher: Natürlich geht es nicht um Sex, sondern nur um Hilfe für Allergiker. Angeblich. Denn:

Das System könnte sich als interessant erweisen für Menschen mit Tierhaarallergien, da es ihnen erlauben würde, die Tiere aus der Ferne zu liebkosen und sogar ein Feedback zu bekommen – das alles, ohne die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Und bei Wired geht man noch ein Stückchen weiter:

Used in zoos, it may allow visitors to pat a lion or scratch a bear.

Aha. Das aber dann bitte ohne Feedbackfunktion! Oder legt irgendjemand wert darauf, von einer mit Elektronik vollgestopften Löwenattrappe verspeist zu werden?!