Wer hat Angst vorm Spindoktor?

Wahlkämpfe sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Was waren das noch für Zeiten, als mit der Hoffnung auf einen Regierungswechsel oder auf das Ausbleiben desselben einfach nur positive und optimistische Botschaften verbunden waren und man zwar übertrieb, dass sich die Balken bogen, im Grunde aber bei der Sache blieb! Vorbei. Erst mal vor allem in Großbritannien, wo „Kerrys GiftspinneZack Exley nun laut Spiegel Online den Laden gehörig aufmischen soll. Exleys Spezialität sind demnach gefälschte Bilder – koksende Präsidenten und ähnliches mehr.
Wenn die Labour-Leute den Mann nicht wollen – vielleicht können wir den haben? Nach dem aktuellen Dänen-Bashing und Söders neuestem Streich lässt sich da ja nichts mehr wirklich ausschließen.

 

Such den Schuh!

Ich hab vor ein paar Tagen offline etwas entdeckt, was überhaupt nichts mit den üblichen Themen dieses Blogs zu tun hat, aber doch mindestens eine existenzielle Frage aufwirft. Mehrere solcher…
Zettel mit Schuhfoto und der Frage: 'Wer hat meinen Schuh gefunden?'
…Zettel hängen hier im Viertel an Bäumen und Laternenmasten herum. Hätte ich diese Zettel nicht selbst mehrfach gesehen, ich würde es nicht glauben. So aber fragt man sich kopfschüttelnd: Wo lebe ich eigentlich?

 

Schneidige Wetterfrösche

Das italienische Fernsehen ist vollkommen zu Recht selten ein Thema in deutschsprachigen Medien. Wobei es erstens natürlich keine Regel ohne Ausnahme gibt und zweitens auch Trash seinen Reiz hat, das muss auch mal gesagt werden. Dass aber die italienischen Wetterberichte auch in der einschlägigen Literatur für unverbesserliche Italophile kaum mal eine Rolle spielen, das ist wirklich ungerecht. Denn wenn da jemand in schneidiger Luftwaffenuniform (der Kenner weiß: Italienische Uniformen sind im Gegensatz zu deutschen wirklich ansehnlich) zackig das Wetter präsentiert, das hat schon was… Der durchschnittliche Nichtitaliener kann gar nicht anders, als vor dem Fernseher gleich ein bisschen Haltung anzunehmen. Deswegen bin ich dem Tagesanzeiger-Korrespondenten Oliver Meiler auch extrem dankbar, dass er sich über diese uns so fremde Art des Wetterberichts auslässt, denn das Phänomen kann gar nicht genug gewürdigt werden. Wobei – das ist das andere Problem (das er leider nur anreißt) – italienische Wetterberichte auch gelegentlich recht inhaltsleer daherkommen (so etwa nach dem Motto: „Sonne im Süden bei 30, Schnee im Norden bei -10, unruhige See“). Und wo wir schon bei Kult im italienischen Fernsehen sind: Völlig unübertroffen ist der Beamte der Guardia di Finanza in voller Montur bei der Ziehung der Lottozahlen. Wer den sieht, der entwickelt eine leise Ahnung davon, wie man sich den ominösen und stets gesichtslosen „Aufsichtsbeamten“ vorzustellen hat, der sich früher unsichtbarerweise bei uns „vom ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes überzeugt“ hat.

 

Kulturpessimismus, Lektion I

Das Fernsehen macht uns alle blöd, intelligentes Radio ist mittlerweile ein Paradoxon, schreiben kann sowieso keiner mehr, und die Jugend von heute kann nicht mal mehr ordentlich sprechen. Es geht einfach nichts über die geflegte Schwarzseherei als Attitüde. Ein schönes Beispiel solcher Thesen – und wie man die entsprechenden Gemeinplätze wie Seifenblasen zum Platzen bringen kann – hat Stefan Weber bei Telepolis geliefert. Mein Fazit: Jeder ordentliche Kulturpessimist (und Sprachpfleger sowieso!) sollte wissen, dass er gegen Windmühlen kämpft. Aber man kann’s ja mal versuchen, schließlich ist die Welt so schon schlecht genug, irgendjemand muss hier ja für Ordnung sorgen… 😉

 

Geile Schweizer?

Die spinnen, die Schweizer, möchte man fast ausrufen… Scheint auf den ersten Blick ganz schön schräg, was da jetzt im Tagesanzeiger zu lesen ist: Kleine Babies bekommen Viagra! Wie jetzt?! Müssen die kleinen Würmchen jetzt auch schon immer können müssen? Oder haben – was böse Zungen schon länger behaupten – die Schweizer sie einfach nicht mehr alle? Nichts von alledem… Eigentlich steckt dahinter eine ganz ernsthafte Geschichte. Trotzdem ein schöner Fall von „klingt komisch – is aber so!“ Und die Überschrift ist natürlich ein echter Eyecatcher, wer da nicht hinklickt, hat kein Herz… 😉

 

Falsche Freundinnen

Irgendwie scheint das eine Pannenshow gewesen zu sein: Nicht genug damit, dass sich Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass…?“ in Erfurt eine blutige Lippe (nein, nicht Nase!) geholt hat (wieso schreibt eigentlich keiner, dass er wie ein Vampir aussah?), mit dem Geschenk an die Kinderkandidatin lag man offenbar auch voll daneben. Gottschalk behauptete frech, das Mädchen sei ein großer Fan der „ZDF-Erfolgsserie ‚Girlfriends‘„, und beglückte die Kandidatin zum Dank für die tolle Wette (Schottenrockmuster verschiedenen Clans zuordnen) mit einer Nebenrolle in eben dieser Serie. Allerdings musste das Mädchen leider frech widersprechen, was dem Onkel Gottschalk gar nicht so recht war, der mag nämlich keine Widerworte. Den ganzen Dialog gibt’s bei SPIEGEL Online. Allerdings wird dort leider auch nicht das Geheimnis dieses rätselhaften Dialogs gelöst. Mal kurz in der Suchmaschine des Vertrauens nach „Girlfriends“ gesucht, ergibt sich folgender Sachverhalt: Es scheint eine ZDF-Serie namens „Girlfriends“ zu geben (die auf den ZDF-Seiten auf die Schnelle nicht aufzutreiben ist) und eine gleichnamige Mädchenzeitschrift, die der Verlag als „Lifestyle-Magazin für Kinder“ charakterisiert. Aha. Da war also beim ZDF wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken, dass die Wettkandidatin Fan eines Produktes aus dem eigenen Hause sein könnte…

 

Unpassende Werbung, Folge 1070

Computer sind doof. Wissen wir. Aber es ist immer wieder schön, doofe Computer live in Aktion zu sehen. Nehmen wir mal an, ich bin als Computer dafür zuständig, die richtige Werbung zu einem Text auszusuchen. Wenn in diesem Text dann Wörter wie „Microsoft Office“, „Windows“ usw. vorkommen, dann ist der Fall also klar: Oben drüber gibt’s fett eine Anzeige für die neue msn-Suche (wobei „msn“ bekanntlich der Internet-Dienste-Ableger von Microsoft ist), und im Text platziere ich dann noch mal eine dicke Anzeige für das neue Microsoft Office. Sieht dann beispielsweise bei SPIEGEL Online so aus:
Artikel über Open-Source-Alternativen mit Werbung für MS Office
Dumm ist nur, wenn es in dem Artikel eben gerade nicht um die beworbenen Produkte geht, sondern um die freien Alternativen zu MS Office und Co. Als doofer Computer würde ich mich jetzt mal kräftig schämen gehen…

 

Abschied vom freien News-Zugang?

Irgendwann musste das kommen – wenn ich ehrlich bin, war es zu erwarten: „Ab dem 01.04.2005 wird die Nutzung des Newsservers News.Individual.DE leider nicht mehr kostenfrei möglich sein.“ Zwar hab ich persönlich „meine“ Newsgroups in letzter Zeit nur noch sehr sporadisch genutzt, war aber mit dem früheren DFN-Zugang immer sehr zufrieden: Riesenangebot an Gruppen, und die Beschränkungen haben auch nicht wirklich gestört, wenn es nicht um Filesharing, sondern um die Infos ging. 10 Euro im Jahr ist zwar nicht teuer, aber über einen meiner Internetprovider geht’s wahrscheinlich billiger – auch wenn man dann auf die eine oder andere Newsgroup verzichten muss. Trotzdem dürfen wir davon ausgehen, dass über kurz oder lang Blogs die Rolle spielen, die früher das Usenet hatte – wenn es nicht schon so ist…
Ach ja: Mein Favorit ist und bleibt de.alt.folklore.urban-legends (Hier via Google Groups)